Die pharmakologische antidepressive Therapie unipolar
depressiver Störungen umfasst ein breites Spektrum an zugelassenen Substanzen. Neben
selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI, v.a. Sertralin, Citalopram)
und selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI, v.a. Duloxetin,
Venlafaxin) wird Mirtazapin häufig primär eingesetzt. Des Weiteren kommen Agomelatin,
Bupropion, Trizyklische Antidepressiva (TZA), Trazodon, Tianeptin sowie Hypericum-Präparate
und MAO-Hemmer zur Anwendung. Bei therapieresistenter Depression werden pharmakologische
Augmentationsstrategien mit Lithium oder Quetiapin sowie zunehmend auch Esketamin
eingesetzt.
Die personalisierte Behandlung von Depressionen gewinnt auch
beim Einsatz von Antidepressiva an Bedeutung, da Wirksamkeitsunterschiede
zwischen den zugelassenen Substanzen entsprechend der verfügbaren Evidenz
gering sind und standardisierte Ansätze häufig zu keiner zufriedenstellenden Wirkung
führen. Die Auswahl und die Dosierung des Antidepressivums sollte sich daher
entsprechend der aktuellen Leitlinie (1) am Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil
der Substanzen und an den individuellen klinischen Merkmalen (Schweregrad, Symptomprofil,
Komorbiditäten) sowie den bisherigen Erfahrungen und den Präferenzen der
Patientinnen und Patienten orientieren, aber auch Praktikabilität (insbesondere
beim Wirkungsmonitoring) und Wirtschaftlichkeit sowie die Anwendungserfahrungen
der Behandelnden berücksichtigen.
Im Verlauf der Behandlung mit Antidepressiva können neben
klinischen und testpsychologischen Indikatoren auch biologische Marker (z.B. Serumspiegel,
genetische Varianten) personalisierte Therapieentscheidungen (Aufdosierung,
Zieldosis, Umsetzen) unterstützen. Zudem eröffnen digitale Biomarker und
KI-gestützte Modelle zukünftige Möglichkeiten der Vorhersage von
Therapieansprechen und Rückfällen.
Die evidenzbasierte pharmakologische Behandlung der
Insomnie orientiert sich an internationalen und nationalen Leitlinien (2), die
zunächst nicht-medikamentöse Maßnahmen wie kognitive Verhaltenstherapie für
Insomnie (KVT-I) empfehlen. Medikamente werden vor allem bei schwerer
Symptomatik oder Therapieresistenz eingesetzt. Kurzfristig können
Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten (Z-Substanzen wie Zolpidem, Zopiclon) wirksam
sein, sind jedoch aufgrund von Abhängigkeitsrisiken limitiert.
Melatonin-Agonisten, niedrig dosiertes Doxepin und Daridorexant gelten als
sichere Alternativen, insbesondere für ältere Patienten. Antidepressiva wie
Trimipramin, Trazodon oder Mirtazapin werden off-label genutzt, können jedoch auch
anhand der aktuellen Leitlinien in Einzelfällen empfohlen werden.